Möderndorf, Gailtal Museum
Anlässlich des 100. Geburtstags von Ingeborg Bachmann ist die von Armin Guerino entworfene Ingeborg-Bachmann-Kuppel vor dem GailtalMuseum im Schloss Möderndorf bei Hermagor zu Gast. Mit ihren 288 verspiegelten Buchdeckeln wird sie zum Sinnbild von Zeit, Literatur und Reflexion. Als Siegerprojekt des ersten Calls der Kärntner Kulturstiftung realisiert, versteht sich die begeh- und bespielbare Skulptur als Hommage an ihre Namensgeberin. Als künstlerische „Sonde“ spürt sie Strömungen der Gegenwart auf und fungiert als offener Begegnungsort für verschiedenartige Kunstformen. In ihrer Rolle als „Kulturbotschafterin“ tritt sie an ausgewählten Orten in Erscheinung und lädt zur aktiven Auseinandersetzung ein. Sie manifestiert sich hier als temporärer Erinnerungsort im öffentlichen Raum. (www.guerino.at) Nach Stationen am Neuen Platz in Klagenfurt, am Karlsplatz in Wien sowie in der Ost-Arena der Europäischen Kulturhauptstadt GO! 2025 Nova Gorica/Gorizia ist Möderndorf nun der vierte Standort.
In der Ingeborg-Bachmann-Kuppel präsentieren Tamara Štajner und Anna Anderluh das Langgedicht Slovalia – Eine Verkuppelung. Die slowenische Autorin und Musikerin Tamara Štajner, Kelag-Preisträgerin des Ingeborg-Bachmann-Preises 2024, verfasste Slovalia im Auftrag des Carinthischen Sommers. Ausgangspunkt ist ein autobiografischer Text Ingeborg Bachmanns zur mehrsprachigen Identität, den Štajner in eine poetische Bewegung überführt. Slovalia mäandert zwischen Slowenisch, Friulanisch, Italienisch und Deutsch. Die Kärntner Komponistin und Künstlerin Anna Anderluh hat den Text für Stimme und Autoharp vertont. So entsteht im Zusammenspiel von Installation, Sprache und Musik eine einmalige Aufführung, die den multilingualen Geist der Region feiert.
Eine permanente Tonspur in slowenischer, italienischer, deutscher und englischer Sprache erweitert die begehbare Skulptur und stellt eine thematische Verbindung zum Ort her. Entsprechend dem Leitgedanken „BORDERLESS“ löst sie sprachliche und kulturelle Grenzen auf und lädt dazu ein, Vertrautes neu zu betrachten. Basierend auf Textfragmenten von Ingeborg Bachmann entsteht ein vielschichtiger Text- und Klangraum, der das visuelle Erleben der Kuppel erweitert. Die Soundcollage bewegt sich zwischen Sprachen, Zeiten und Perspektiven: Sie spannt Bögen von der Natur der Region über Fragen an die Vergangenheit bis hin zu Visionen der Zukunft. Im Zentrum steht eine Idee, die auch im Sinne Ingeborg Bachmanns gewesen wäre: die Vision eines grenzenlosen Europas, in dem Menschen in Frieden und Freiheit zusammenleben.
Fotomontage: Armin Guerino
